Über Kroatien
Kroatien, amtlich
kroatisch Republika Hrvatska
['hrva:tska:], deutsch Republik
Kroatien, Staat im südöstlichen Mitteleuropa. Teile Kroatiens,
etwa Dalmatien, werden auch Südosteuropa zugeordnet. Dalmatien ist
landschaftlich Teil der Balkanhalbinsel. Kroatien hat eine Fläche von 56
542 km2, 2007 hatte das Land 4,44 Mio. Einwohner. Hauptstadt
ist Zagreb.
Staat und Gesellschaft
Nach der Verfassung vom 22. 12. 1990 (mehrfach, zuletzt 2001, revidiert) ist
Kroatien eine parlamentarisch-demokratische Republik mit Mehrparteiensystem.
Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der Präsident (für 5
Jahre direkt gewählt, einmalige Wiederwahl möglich). Die Regierung unter Vorsitz
des Ministerpräsidenten ist dem Parlament verantwortlich. Die Legislative liegt
beim Repräsentantenhaus (153 Abgeordnete, für 4 Jahre gewählt; Auslandskroaten
und Vertreter nationaler Minderheiten werden berücksichtigt). Die zweite
Parlamentskammer (Haus der Komitate; 68 Mitglieder) wurde 2001 aufgelöst.
Einflussreichste Parteien: Kroatisch-Demokratische Gemeinschaft (HDZ),
Sozialdemokratische Partei Kroatiens (SDP), Kroatische Bauernpartei (HSS),
Kroatische Volkspartei (HNS), Kroatische Partei des Rechts (HSP), Kroatische
Sozialliberale Partei (HSLS), Demokratisches Zentrum (DC), Kroatische Partei der
Rentner (HSU).
Landesnatur
Kroatien gliedert sich in drei geografische Teilräume: in den kroatischen
Anteil am Pannonischen Becken, in den Hochkarst mit der Innenzone des
Dinarischen Gebirges und in den adriatischen Küstensaum. Im Nordosten erstreckt
sich Niederkroatien, das Slawonien mit fruchtbaren Schwemmlandebenen und
Schotterplatten (Posavina und Podravina) und den Slawonischen Inselgebirgen
zwischen Drau, Save und Donau umfasst; im Südwesten liegt Hochkroatien,
gekennzeichnet durch verkarstete Hochflächen (um 700 m über dem Meeresspiegel)
mit eingelagerten Poljen, die von Bergketten wie der bewaldeten Kapela (1 533 m
über dem Meeresspiegel; hier liegen die Plitvicer Seen), Plješevica (1 657 m
über dem Meeresspiegel) und vom Velebit (1 758 m über dem Meeresspiegel)
überragt werden. Das Dinarische Gebirge fällt örtlich steil zum adriatischen
Küstensaum ab. Dieser umfasst im Nordwesten den größten Teil der Halbinsel
Istrien, im Südosten schließen sich die Kvarnerbucht (Kvarner)
sowie Dalmatien an, eine Küstenlandschaft, die durch zahlreiche Buchten und etwa
1 200 Inseln gegliedert ist (Canaleküste).
Im Küstenbereich herrscht mediterranes, im Innern gemäßigtes
Kontinentalklima; höchste Niederschlagsmengen an den Westflanken der küstennahen
Gebirge (teils über 3 000 mm/Jahr), im Innern 650-900 mm.
Die natürliche Vegetation besteht im Küstenbereich aus Macchie und
Wacholderbüschen, die ursprünglichen Eichenwälder sind durch Holzeinschlag stark
zurückgegangen; in Niederkroatien zum Teil Auenwälder, in höheren Lagen
Laubmischwälder.
Naturschutz
Kroatien besitzt eine Reihe von großartigen Naturschutzgebieten. Der
Nationalpark Plitvice besteht aus insgesamt 16 Seen, die über reissende Bäche
und riesige Wasserfälle miteinander verbunden sind (Plitvicer Seen).
Der Nationalpark Kornati ist ein Archipel aus über 140 Inseln und Riffen, von
denen nur 60 Inseln bewohnt sind. Die [Kornaten] sind
als Rückzugsgebiet der letzten Adria-Delfine bekannt. Ein weiterer Nationalpark
wurde an der Quelle des Flusses Krka bei Knin am Fusse
des Dinarischen Gebirges errichtet. Unter subtropischen klimatischen Bedingungen
haben sich hier Urwälder entwickelt, die einer vielfältige Pflanzen- und
Tierwelt Lebensraum bieten. Der Nationalpark Paklenica liegt der nördlich von
Zadar zwischen der Adriaküste und dem Velebit.
Hier haben Wildbäche die schroffen, eindrucksvollen Schluchten Velika und Mala
Paklenica geformt, die ein Paradies für Kletterer sind.
Bevölkerung
Nach der Volkszählung von 2001 waren 89,6 % der Bevölkerung Kroaten, 4,5 %
Serben, 0,5 % Bosniaken, 0,4 % Ungarn, je 0,3 % Albaner und Slowenen, 0,2 %
Tschechen, je 0,1 % Deutsche, Slowaken und Ruthenen (Ukrainer), 3,9 % andere
Volksgruppen. Die Zahl der in Kroatien lebenden Roma (Zigeuner) wird auf 30 000
geschätzt. Von den während des jugoslawischen Bürgerkrieges (1991-95) geflohenen
oder vertriebenen Serben ist nur ein kleiner Teil nach 1995 zurückgekehrt.
Siedlungsschwerpunkt ist der kroatische Teil des Pannonischen Beckens,
insbesondere die Agglomeration von Zagreb; relativ dicht sind auch einige der
Adriainseln besiedelt, während die Karstgebiete Hochkroatiens fast siedlungslos
sind.
Rund 94 % der Bevölkerung gehören einer christlichen Kirche an: die Kroaten
ganz überwiegend der katholischen Kirche, die Serben der serbisch-orthodoxen
Kirche; knapp 1 % Protestanten (besonders Reformierte und Lutheraner). Nicht
christliche Religionsgemeinschaften bilden die Muslime (zwischen 50 000 und
60 000) und die Juden (rund 2 000).
Es besteht eine achtjährige allgemeine Schulpflicht für Kinder ab sieben
Jahren. An die achtjährige Primarschule schließt sich ein gegliedertes System
vierjähriger weiterführender Schulen an, das Gymnasien, fachlich unterschiedlich
ausgerichtete berufsbildende Mittelschulen und Kunstschulen umfasst. Die
Alphabetisierungsrate liegt (2006) bei 98 %. Universitäten gibt es in Zagreb
(gegründet 1669), Rijeka (1973), Osijek (1975) und Split (1974).
Tourismus
Mit einer Festlandsküste von rund 1 700 km Länge und mehr als 200 touristisch
erschlossenen Inseln, der Kaskade der Plitvicer Seen und zahlreichen
kulturhistorisch interessanten Städten verfügt Kroatien über ein großes
touristisches Potenzial. Die kroatische Adriaküste gehört zu den klassischen
Zielen des mitteleuropäischen Bade- und Erholungstourismus und gilt heute als
Ferienparadies.
Obwohl die Küste als Hauptzielgebiet des Tourismus von den Kriegshandlungen
1991-95 nur wenig betroffen war (außer Süddalmatien), kam es in der ersten
Hälfte der 1990er-Jahre zu einem starken Einbruch der Besucherzahlen. Nach dem
Ende des Krieges (1995) erholte sich der Tourismus langsam und erreichte 2004
wieder das Niveau der späten 1980er-Jahre. Die seit 2000 forcierte
Privatisierung der Tourismusunternehmen mit einem wachsenden Anteil
ausländischer Investitionen führte zu einer Diversifizierung des bislang als
Massentourismus bekannten kroatischen Angebots. Der wachsenden Konzentration des
Tourismus auf den nördlichen Abschnitt der Adriaküste versucht man mithilfe
strukturpolitischer Maßnahmen zu begegnen, u. a. durch die Anbindung Dalmatiens
an das europäische Autobahnnetz, durch Flugplätze auch auf den Inseln und durch
den Ausbau Dubrovniks zu einem Knotenpunkt im mediterranen Kreuzfahrtenbetrieb.
Innerhalb des Dienstleistungssektors ist der Tourismus von herausragender
Bedeutung, 2007 besuchten etwa 10 Mio. ausländische Touristen das Land. Der
Tourismus hatte 2007 einen Anteil von etwa 20 % am Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Wirtschaft und Verkehr
Kroatien war nach Slowenien die wirtschaftlich am weitesten entwickelte
Republik im ehemaligen Jugoslawien. Nach dessen Zerfall wurde die Entwicklung
einer Marktwirtschaft zunächst schwer durch den Bürgerkrieg gestört. Seit 2000,
nach dem Einsetzen von wirtschaftspolitischen und rechtlichen Reformen, ist die
Wirtschaft Kroatiens zu einem stabilen Wachstum übergegangen. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2005 bei rd. 6 650 US-$.
Die Landwirtschaft erwirtschaftet etwa 8 % des BIP, die agrarischen
Nutzflächen erstrecken sich auf rund 57 % des Territoriums, davon sind etwa die
Hälfte Wiesen und Weiden. Der Ackerbau konzentriert sich auf die fruchtbaren
Ebenen und Hügelländer des Pannonischen Beckens und seiner Randgebiete.
Wichtigste Anbaupflanzen sind Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Kartoffeln,
Sojabohnen und Tabak, außerdem gibt es Wein-, Obst- und Gemüsebau, an der Küste
auch Feigen-, Ölbaum-, Kiwi- und Zitruskulturen. In Hochkroatien und an der
Küste wird Schafzucht betrieben.
Von den wenigen Bodenschätzen haben Erdöl- und Erdgasvorkommen im
Pannonischen Becken und die Bausteinbrüche auf Istrien und in Dalmatien
Bedeutung; im Bereich des adriatischen Küstensaums finden sich
Bauxitlagerstätten, die aber nur an wenigen Stellen abgebaut werden. Wichtige
Industriebranchen sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, die chemische,
Metall verarbeitende und Textilindustrie sowie die Verarbeitung nicht
metallischer mineralischer Produkte. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor v. a. an
der Küste ist der Tourismus (Istrien, Dalmatinische Inseln).
Exportprodukte sind mineralische Brenn- und Schmierstoffe, sonstige
mineralische Erzeugnisse, u. a. Baustoffe, chemische Erzeugnisse, Textilien,
Nahrungs- und Genussmittel, lebende Tiere, Maschinen und Anlagen. Wichtigste
Handelspartner sind Italien, Deutschland, Bosnien-Herzegowina, Slowenien und
Österreich.
Das Verkehrsnetz ist gut ausgebaut; das Straßennetz etwa 27 000 km, das
Eisenbahnnetz 2 700 km lang. Die Hauptverkehrsachsen verlaufen von Zagreb
entlang der Save nach Ljubljana (Slowenien) und Belgrad (Serbien) sowie nach
Rijeka und Split an die Küste. Rijeka, Split, Zadar, Pula, Šibenik, Ploče und
Dubrovnik besitzen Seehäfen; von den Flughäfen haben Zagreb, Split und Dubrovnik
eine über den Tourismus hinausgehende Bedeutung im internationalen Luftverkehr.
Geschichte
Römische Zeit bis 18.
Jahrhundert
In römischer Zeit (seit 35 v. Chr.) gehörte Kroatien zu Pannonien
beziehungsweise Illyrien; ab 7. Jahrhundert von südslawischen Stämmen (Kroaten)
besiedelt; 845-1091 Fürstentum beziehungsweise (seit 924) Königreich unter einer
kroatischen Herrscherdynastie, die Slawonien und die dalmatinischen Städte
unterwarf. 1102-1918 bestand (in wechselnder Form) eine Personalunion mit Ungarn
(unter einem Ban Sonderstellung mit eigenem Landtag). Venedig eroberte Dalmatien
1202 zum Teil und 1409/20 ganz (mit Ausnahme von Dubrovnik, italienisch Ragusa).
Seit Ende des 15. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Türkeneinfällen; 1526 wurde das nordwestliche Kroatien um Agram (Zagreb) habsburgisch (1527
Anerkennung Ferdinands [I.] als König), das übrige Kroatien mit Ungarn Sandschak
des Osmanischen Reiches, das bis Ende des 16. Jahrhunderts Kroatien großteils
besetzte; 1578 wurde die Militärgrenze errichtet. 1699 (Frieden von Karlowitz)
kamen die nördlich der Una gelegenen Teile wieder an das habsburgische Ungarn,
die südlich gelegenen blieben beim Osmanischen Reich beziehungsweise bei Bosnien
(»Türkisch-Kroatien« bis 1878).
19. bis Mitte 20. Jahrhundert
Ab 1790 beziehungsweise 1814 wurden Kroatien und Slawonien als Nebenländer
der ungarischen Krone behandelt; 1848/49 kämpften die Kroaten auf
österreichischer Seite gegen die aufständischen Ungarn. Es entstanden Ideen der
kroatischen Wiedergeburt.
Das 1849 geschaffene selbstständige österreichische Kronland Kroatien (mit
Slawonien, dem Küstenland und Fiume [Rijeka]) wurde 1867 wieder der ungarischen
Regierung (Transleithanien) unterstellt (vertraglich geregelt im
kroatisch-ungarischen Ausgleich 1868); Dalmatien kam zur österreichischen Hälfte
von Österreich-Ungarn (Zisleithanien).
Gegen die Magyarisierungspolitik, v. a. seit 1880, wandten sich
großkroatische und föderalistische Programme; die entstehenden kroatischen
Parteien (u. a. Kroatische Bauernpartei unter S. Radić) strebten seit 1907 die
Loslösung von Österreich-Ungarn an. Es folgte 1918 Gründung des Agramer
Nationalrats, am 1. 12. 1918 Vereinigung mit Serbien, Montenegro und Slowenien
zum sogenannten SHS-Staat (späteres Jugoslawien), zunehmende Konflikte erwuchsen
aus dem großserbischen Zentralismus.
Teilrepublik bis
Unabhängigkeit
Im Frühjahr 1945 nahmen die titoistischen Partisanen blutige Rache an den
Ustasche (u. a. Massaker von Bleiburg an Angehörigen der kroatischen
Nationalarmee). Die »Donauschwaben«, v. a. in Slawonien, wurden 1945-48 bis auf
geringe Reste vertrieben; in der Folge siedelten sich Serben an. Neue ethnische
Mischgebiete waren entstanden. Mit Schauprozessen (u. a. gegen Erzbischof A. Stepinac,
Oktober 1946) sollte der antikommunistische Widerstand gebrochen werden. 1946
wurde Kroatien (mit Dalmatien und Slawonien) Teilrepublik des wieder errichteten
Staates Jugoslawien, der dann jahrzehntelang v. a. durch föderative
Verfassungen, aber auch mit Gewalt (z. B. Niederschlagung des »kroatischen
Frühlings« 1971) die Spannungen zwischen den Volksgruppen zu lösen suchte. Seit
dem Ende der 80er-Jahre öffnete sich Kroatien dem politischen Pluralismus.
Bei den ersten freien Parlamentswahlen 1990 errang die HDZ die absolute
Mehrheit. Ihr Vorsitzender F. Tudjman wurde Staatsoberhaupt (ab 30. 5. 1990
Vorsitzender des Staatspräsidiums, ab 2. 8. 1992 Staatspräsident). Am 22. 12.
1990 verabschiedete das Parlament eine neue Verfassung. Gleichzeitig mit
Slowenien erklärte Kroatien am 26. 6. 1991 seine Unabhängigkeit.
Bürgerkrieg
Von Juli bis Dezember 1991 entwickelten sich in Kroatien schwere Kämpfe
zwischen der kroatischen Nationalgarde und serbischen Freischärlern (Četnici),
die von der serbisch dominierten jugoslawischen Bundesarmee unterstützt wurden,
v. a. in Ostslawonien und um Vukovar; ein Drittel des Territoriums von Kroatien
wurde angeblich zum Schutz der serbischen Minderheit in Kroatien besetzt. Trotz
hoher Opfer (über 10 000 Tote, 260 000 Vertriebene, 700 000 Flüchtlinge ins
kroatische Hinterland und nach Ungarn) konnte Kroatien seine Unabhängigkeit
behaupten. Am 19. 12. 1991 errichtete die serbische Minderheit in Kroatien die
von der kroatischen Regierung nicht anerkannte »Republik Serbische Krajina« (RSK;
serbische Abkürzung SRK) und in Slawonien ein serbisches »autonomes Gebiet«.
Nach dem Inkrafttreten eines von der UNO vermittelten Waffenstillstands
(3. 1. 1992) und der völkerrechtlichen Anerkennung der Republik Kroatien durch
zahlreiche europäische Staaten (deutsche Anerkennung Ende 1991) stationierte die
UNO in Kroatien eine Friedenstruppe (UNPROFOR) und richtete die »Schutzzonen«
Ost (Ostslawonien), West (Westslawonien), Nord (Banija) und Süd (Krajina) ein.
Im Januar 1994 schloss Kroatien mit der Bundesrepublik Jugoslawien einen
Normalisierungsvertrag, mit der RSK einen Waffenstillstand. Ungeachtet aller
Vereinbarungen und der UN-Schutzzonen eroberte Kroatien im Mai bzw. August 1995
Westslawonien und die Krajina zurück und begann mit ihrer Wiedereingliederung.
Durch die dadurch ausgelöste Massenflucht kroatischer Serben (200 000; in die
benachbarten Republiken Bosnien und Herzegowina sowie Serbien, v. a. Kosovo)
existierten keine kompakten serbischen Siedlungsgebiete mehr in Kroatien. Im
Rahmen der Verhandlungen, die dem Friedensabkommen von Dayton (21. 11.,
unterzeichnet in Paris am 14. 12. 1995) vorausgingen, vereinbarten Präsident
Tudjman und Präsident S. Milošević am 12. 11. die Rückgabe Ostslawoniens an
Kroatien (im Januar 1998 erfolgt; bis dahin mit Baranja und Westsyrmien unter
UN-Verwaltung).
Kroatien seit 2000
Durch die führende Stellung von Präsident Tudjman und der HDZ verfestigten
sich zeitweise totalitäre Strukturen. Nach den Parlamentswahlen vom 3. 1. 2000
übernahm eine »Zweierkoalition« (SDP und HSLS) die Regierung; Ministerpräsident
wurde I. Račan (SDP). Zum Nachfolger Tudjmans († 1999) wurde am 24. 1./7. 2.
2000 S. Mesić (HNS) gewählt (Wiederwahl 2005). Aus den Parlamentswahlen am
23. 11. 2003 ging die HDZ als stärkste Partei hervor; ihr Vorsitzender Ivo
Sanader (* 1953) bildete eine Koalitionsregierung aus HDZ, HSLS und DC, ohne
über eine eigene Parlamentsmehrheit zu verfügen. Bei den Parlamentswahlen im
November 2007 siegte erneut die HDZ. Im Januar 2008 bildete Sanader eine
Koalitionsregierung aus HDZ, HSLS-HSS sowie Vertretern der nationalen
Minderheiten.
Außenpolitik
Mit der Aufnahme in den Europarat (1996) begann die politische
Westintegration Kroatiens Der damit anerkannte Minderheitenschutz wurde
international beobachtet. Ende Mai 2000 erfolgte der Beitritt zum NATO-Programm
»Partnerschaft für den Frieden«. Neben der im Januar 2000 in Bukarest erfolgten
Unterzeichnung einer Charta für Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft mit fünf
Balkanländern (nicht Jugoslawien) und der Türkei wurde Kroatien auf dem ersten
Balkangipfel der EU Ende November 2000 gemeinsam mit anderen Balkanstaaten der
Status eines potenziellen Kandidaten für einen Beitritt zur EU zuerkannt; dem
Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU vom Oktober 2001 folgte
Ende Februar 2003 der formale Antrag auf Beitritt zur EU. Am 3. 10. 2005 nahm
die EU Beitrittsverhandlungen mit Kroatien auf, nachdem Kroatien zuvor seine
Bereitschaft zur uneingeschränkten Zusammenarbeit mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erklärt hatte. Das Verhältnis zu
Slowenien ist wegen Unstimmigkeiten über den Grenzverlauf in der Adriabucht von
Piran belastet. Im April 2008 erfolgte der NATO-Beschluss zur Aufnahme Kroatiens
als künftiges Mitglied.
Meyers Lexikon: Kroatien
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